Alle Jubeljahre erscheint ein Film, der sich deutlich von den Produktionen von der Stange abhebt. Nun war es mal wieder soweit: „Swiss Army Man“ stellt unsere Sehgewohnheiten gründlich auf den Kopf und erweist sich als einer der genialsten Filme der letzten Jahre.

Die furzende Leiche

Nach einem Schiffbruch hat Hank das einsame Robinson-Crusoe-Leben auf einer unbewohnten Insel satt und möchte sich erhängen. Just in dem Augenblick, in dem er auf der Kühlbox steht, die er für den Absprung ins Jenseits vorgesehen hat, entdeckt er am Strand einen menschlichen Körper. Hoffend, nun einen Begleiter gefunden zu haben, eilt er zu der Stelle, muss aber feststellen, dass der Mann tot ist. Doch schon bald beginnt die Leiche, sich völlig unkonventionell zu verhalten, furzt andauernd und so nach und nach beginnt sie zu reden. Gemeinsam kämpfen sich beide durch die Wildnis, um Hilfe zu suchen.

Filmkritik zu „Swiss Army Man“

Es gibt keine andere Umschreibung: „Swiss Army Man“ dürfte der schrägste Film sein, der je in die Kinos gekommen ist. Daniel Radcliffe spielt den jüngst Verblichenen, der mit erstaunlichen Zusatzfunktionen ausgestattet ist: Seine Fürze haben solch einen immensen Druck, dass der tote Körper als Jetski verwendet wird, er kann Trinkwasser kotzen, sein erigierter Penis fungiert als Kompass und noch vieles mehr. Üblicherweise lässt eine solche Aufzählung sofort den Schluss zu, dass es sich hierbei um eine plumpe Kalauer-Orgie handelt, für die kein Gag zu peinlich ist. Doch weit gefehlt – auch wenn tatsächlich vieles grotesk überzeichnet ist.

Der sehr schwarze Humor trägt diese Geschichte einer äußerst ungewöhnlichen Freundschaft. Auch wenn sich die Gespräche häufig um Erektionen, Flatulenzen und Masturbation drehen, ist der Streifen keineswegs unter der Gürtellinie ausgerichtet. Vielmehr hinterfragen die Dialoge unsere Vorstellungen über Schamgefühl, Moral und gesellschaftliche Anerkennung – gleichwohl jene Dinge, die im Verlauf der Handlung so gründlich auf den Kopf gestellt werden. Der Film ist gleichzeitig derbe und philosophisch, geschmacklos und einfühlsam, sarkastisch und menschlich.

Während der Uraufführung haben etliche Zuschauer den Saal vorzeitig angewidert verlassen. Nun ja, Kunst ist nicht immer mit Ästhetik gleichzusetzen. Wer es allerdings schafft, sich nicht von der teilweise ekligen Geräuschkulisse abschrecken zu lassen, der sieht eine geniale Gesellschaftsparabel, die ihresgleichen sucht.

Bis auf die Schlussszene handelt es sich hauptsächlich um ein Zwei-Personen-Stück, in dem die beiden exzellenten Darsteller Paul Dano und Daniel Radcliffe brillieren.

Fazit zum Film

„Swiss Army Man“ dürfte in die Filmgeschichte eingehen. Dieser ungewöhnliche Film besticht durch eine wirklich tolle Geschichte, die mit rabenschwarzem Humor erzählt wird, dabei einige Tabus bricht und uns doch so überzeugend unsere Gesellschaft vor Augen führt. Philosophisch, satirisch, böse, menschlich und warmherzig. Ein kleines Meisterwerk.

Foto/Cover: Koch Media GmbH

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