Kein Scherz: Die neue Komödie von Seth MacFarlane ist das geilste Ding im Wilden Westen seit dem dritten Teil von “Zurück in die Zukunft”.

Große Klappe, nix dahinter

Wenn es hart auf hart kommt, ist Schafzüchter Albert kaum mutiger als eines seiner wolligen Viecher. Und er hat seine Gründe. Schließlich ist es gefährlich im wilden Westen. Es gibt Millionen Wege, hier zu Tode zu kommen. Die Beweise für diese These lassen auch nicht lange auf sich warten.

Eines Tags läuft ihm eine geheimnisvolle Schönheit (Charlize Theron) über den Weg. Sie ist klug, witzig und schießt wie der Teufel. Leider ist sie auch mit einem landbekannten Revolverheld (Liam Neeson) verheiratet. Und der ist von der neuen Liason seiner Frau mit dem Oberschaf überhaupt nicht begeistert.

Filmkritik zu „A Million Ways To Die In The West“

A Million Ways To Die In The West CoverDass „Ted“-Erfinder Seth MacFarlane Western liebt, ist an keiner Stelle dieser deftigen Komödie zu übersehen. Die Bilder sind in XXL, und der Soundtrack erinnert in Pathos und Schmissigkeit an die Leistung eines Elmer Bernstein in „Die glorreichen Sieben“. Kulissen, Requisiten, Staub – alles ist liebe voll arrangiert und sieht einfach … na eben echt westernmäßig aus.

In diesem Umfeld erleben wir eine wahre Herde an Gags und wunderbarem Blödsinn. Situationskomik, Wortwitz, Slapstick, der obligatorische Sperma-Gag – hier ist von allem was enthalten. Allein die Beziehung zwischen Alberts bestem Freund (köstlich: Giovanni Ribisi) und der Dorfnutte sorgt für einige Brüller. Mehr verraten wir an dieser Stelle aber nicht.

Dass das Ganze jedoch nicht zur albernen Nummernrevue verkommt, dafür sorgt das Schauspielerensemble: Liam Neeson als diabolischer Schurke, Neil Patrick Harris (aus „How I met your mother“) als Schnösel mit furchtbarem Schnauzbart, der erwähnte Giovanni Ribisi, drei hier nicht weiter verratene Cameo-Auftritte und natürlich MacFarlane selbst mit seinem Schafblick heben alles auf ein Niveau, das andere Kalauerkomödien nicht im Ansatz erreichen. Wir denken da mal an die schlampig gedrehten „Austin Powers“ und „Scary Movie“. Einziger Verlierer ist Amanda Seyfried als Alberts Ex – sie hat einfach die unwitzigste Rolle erwischt. Das ist Pech.

Am meisten verblüfft aber die sonst gar nicht auf Komödien abonnierte Theron. Auch sie glänzt mit präzisem Timing und Sinn für Albernheiten, erzeugt aber an den romantischen Stellen eine Herzenswärme, wie sie nur die wirklich guten Schauspieler hinbekommen. McFarlane mag ein guter Komiker sein, aber als Schauspieler kann er in diesem direkten Duell nur verlieren.

Fazit zum Film

„A Million Ways to Die in the West“ ist schamlos, sehr makaber, manchmal geschmacklos, oft politisch unkorrekt – achtet auf den Schießstand auf dem Jahrmarkt – aber insgesamt einfach saukomisch. Manchen zart Besaiteten könnte allerdings schwer aufstoßen, dass MacFarlane gern seine Witze bis zur Scherzgrenze ausreizt, also immer noch einen draufsetzt. Das hat er schon bei „Ted“ gemacht, hier also auch. Und wir können damit bestens leben.

Foto/Cover: Universal Pictures

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