Regisseur Lars von Trier ist sicherlich nicht dafür bekannt, uns leicht verdauliche Filme zu servieren. Auch sein neuestes Werk verlangt viel von dem Zuschauer ab. Und dennoch lohnt es sich, erneut eine Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele zu unternehmen.

Sex at its worst

Ein finsteres Labyrinth aus Hinterhaus-Gassen, Nacht, Regen, Einsamkeit. Dort findet der eigenbrötlerische Seligman (Stellan Skarsgård) die ziemlich übel zugerichtete Joe (Charlotte Gainsbourg) und nimmt sie zu sich nach Hause. Dort erzählt sie ihm von ihrem Leben, das wir in Rückblenden verfolgen können und das vor allem von ihrer unstillbaren Sexsucht geprägt ist.

Filmkritik zu „Nymph()maniac“

Nymphomaniac CoverZunächst einmal: Der Film ist in zwei Teile zerlegt, nämlich „Nymph()maniac Vol. I“ und „Nymph()maniac Vol. 2“. Dies ist wohl eher der erheblichen Gesamtlaufzeit geschuldet und hat nichts mit den üblichen Sequels zu tun. Auf DVD sind auch beide Teile zusammen erhältlich. Folglich betrachten wir den Film als eine Einheit.

Es gibt zwei Fassungen: Die rund vierstündige Kinofassung und der anderthalb Stunden längere Directors Cut. Letzterer erlaubt einen wesentlich tieferen Einblick in Joes Seelenleben, mutet dem Zuschauer aber auch ungleich viel mehr zu. Folglich ist die Kino-Fassung ab 16, der Directors Cut ab 18 freigegeben.

Die Laufzeit ist eigentlich zweitrangig. Wer sich auf diese Collage eines völlig entgleisten Seelenlebens einlässt, sollte sich Zeit nehmen; der Film fesselt ab der ersten Sekunde. Moderiert durch die Dialoge zwischen Joe und Seligman erleben wir in Rückblenden das Leben der jungen Joe, angefangen von ihrer Entjungferung bis hin zu der Eskalation der Ereignisse. In dem Film dreht sich alles um Sex und dennoch wäre es töricht, diesen Streifen auf einen Sexfilm zu reduzieren.

Von Trier ist dafür bekannt, mit seinen Filmen provozieren zu wollen. Das ist auch hier der Fall. Es bleibt aber auch seine einzigartige Bildsprache, die Metaphern in den Bildern und Dialogen, die vielen einzelnen Segmente, die sich wie ein Mosaik zu einem komplexen Bild zusammensetzen und es bleibt auch wieder das bitterböse Ende, das wie etwa schon bei „Antichrist“ den Zuschauer ratlos zurücklässt. Der Film ist nicht immer eine ästhetische Augenweide, aber Kunst hat bekanntlich nichts mit Ästhetik zu tun. Und doch lohnt es sich, sich die Zeit für einen der verstörendsten aber auch einen der besten Filme der letzten Jahre zu nehmen.

Fazit zum Film

Es ist immer gefährlich, mit Superlativen um sich zu werfen, aber dennoch: „Nyph()maniac“ ist größtmögliches Kino und vermutlich der bislang beste Film von Lars von Trier. Der Film hypnotisiert regelrecht, die Laufzeit von vier, beziehungsweise fünfeinhalb Stunden vergeht wie im Fluge, Langeweile kommt erst gar nicht auf. Ein wahres Sahnehäppchen für Cineasten.

Foto/Cover: Concorde Video

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