SIBIRISCHE ERZIEHUNG ist die Verfilmung der bereits als Buch erschienenen Autobiografie von Nicolai Lilin. In seinem Erlebnisbericht geht es um ein Verbrecherviertel in Transnistrien, wo Lilin als Nachfahre deportierter sibirischer Urki geboren wird und unter den ungeschriebenen Gesetzen der kriminellen Gemeinschaft aufwächst. Mafiöse Strukturen und organisierte Kriminalität sind überall auf der Welt ausgebildet. Verschiedene Filme mit teilweise dokumentarischen oder autobiografischen Charakter bieten einen Einblick in diese kriminellen Parallelwelten.

Für Gomorrha, seine Studie über die neapolitanische Mafia, recherchierte der italienische Journalist Roberto Saviano jahrelang verdeckt innerhalb der Verbrecherclans. 2008 nahm sich Regisseur Matteo Garrone des brisanten Stoffs an. Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ist ein eindringlicher Spielfilm mit dokumentarischen Zügen, bedingt durch Drehs an Originalschauplätzen und den Einsatz von Laiendarstellern aus dem Milieu. Der Film zeichnet ein erschreckend dystopisches Portrait vom Reich der Camorra, einer Region im Würgegriff der organisierten Kriminalität, deren Macht über legale Wirtschaftszweige bis in die Politik reicht. (Trailer: http://youtu.be/lTxSRXM5Tsw)

Eine reine Dokumentation, dabei rasant wie ein Thriller, ist Billy Corbens Cocaine Cowboys (2006) über den Kokainhandel im Miami der 70er- und 80er-Jahre. Erweitert mit Archivmaterial berichten Zeitzeugen diesseits und jenseits des Gesetzes über eine Ära, die für Scarface und Miami Vice Pate stand. Neben der Entwicklung des Drogenhandels zeigt der Film auf, wie sich die organisierte Kriminalität auf das öffentliche Leben auswirkte und schließlich ein blutiger Drogenkrieg Miami zur gefährlichsten Stadt der USA machte. Der Nachfolgefilm Cocaine Cowboys 2 (2008) beleuchtet ausführlich die Karriere von „Godmother“ Griselda Blanco, die sich mit blutiger Skrupellosigkeit an die Spitze des Kokainhandels setzte. (Trailer: http://youtu.be/CgrFijr4nAs)

Um die Vorherrschaft im Drogengeschäft geht es auch in City of God (2002) nach dem autobiografischen Roman von Paulo Lins. Erzähler Buscapé schildert die Verwandlung des Armenviertels in Rio de Janeiro zum tödlichen Gangland von den 60er- bis in die 80er-Jahre. Von Regisseur Fernando Meirelles teils mit den schrillen Mitteln des Werbefilms in Szene gesetzt und großteils mit Laiendarstellern besetzt, zeigt der Film die bedrohliche Atmosphäre, in der organisierte Kriminalität das durch staatlichen Rückzug entstandene Machtvakuum ausfüllt und das Gewaltmonopol für sich beansprucht. City of God wurde viermal für den Oscar nominiert und regte in Brasilien eine Debatte über die Zustände in den Favelas an. (Trailer: http://youtu.be/bmA40tmTVOc)

Ortswechsel: Hiroshima nach Ende des zweiten Weltkriegs. In der zerstörten Stadt herrscht Chaos, der Schwarzmarkt blüht und Yakuzafamilien können ihre Machtstrukturen ausbilden. In Battles without Honor and Humanity (1973) landet der Kriegsveteran Hirono wegen Mordes im Gefängnis und durchläuft von da an eine Karriere in der gewalttätigen Schattenwelt der Yakuza. Der Machtkampf der Verbrechersyndikate mündet in einem langen und blutigen Krieg. Battle Royale-Regisseur Kinji Fukasaku griff für diesen Film auf die Aufzeichnungen eines echten Yakuza zurück. Entgegen dem damaligen Trend der Yakuza-Filme haben sie hier nichts Ehrenwertes an sich. Fukasaku zeigt sie als brutale, nur von Macht und Profit getriebene Gangster. Zusammen mit seinen vier Nachfolgern bildet der Film die Serie The Yakuza Papers. (Trailer: http://youtu.be/KRnXpt94O1A)

„Ehre“ ist ein in Mafiakreisen häufig verwendeter und äußerst dehnbarer Begriff. Als „ehrbare“ Kriminelle verstanden sich auch die Urki, eine kriminelle Vereinigung aus Sibirien, deren Angehörige unter Stalin nach Transnistrien (im heutigen Moldawien) deportiert wurden. Der italienische Regisseur und Oscar-Preisträger Gabriele Salvatores verfilmte nun den autobiografischen Roman Sibirische Erziehung (2013) von Nicolai Lilin über seine Jugend in Urki-Kreisen. Hollywood-Veteran John Malkovich übernahm eine Rolle als Urki-Pate. Im Film lernt der junge Kolyma das Banditentum in der Zeit des Kalten Krieges von klein auf. Sein Großvater lehrt ihn ein religiös gespeistes Wertesystem, welches Gewalt bis hin zu Mord rechtfertigt.

SIBIRISCHE ERZIEHUNG erscheint am 3.12.2013 als DVD, Blu-ray und Video on Demand.

(Quelle: Vollkontakt)

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